Einen Mietwagen für nur 1 Euro fahren? Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist tatsächlich möglich. Plattformen wie Movacar und Ugoki (ehemals Flipcar) vermitteln sogenannte Überführungsfahrten, bei denen Privatpersonen Mietfahrzeuge von einer Station zur anderen bringen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie das Prinzip funktioniert, welche Anbieter es aktuell gibt und worauf du achten solltest.
So funktionieren Überführungsfahrten
Autovermietungen stehen vor einem logistischen Dauerproblem: Durch Einwegmieten sammeln sich Fahrzeuge an bestimmten Stationen an, während sie an anderen fehlen. Auch wenn ein Fahrzeug nach rund 25.000 Kilometern ausgeflottet wird, muss es zu einer zentralen Sammelstelle gebracht werden. Statt teure Logistikunternehmen zu beauftragen, setzen immer mehr Vermieter auf Privatpersonen, die diese Fahrten übernehmen.
Das Prinzip ist einfach: Du meldest dich bei einer Vermittlungsplattform an, suchst dir eine passende Strecke aus und fährst das Fahrzeug zum Zielort. Dafür zahlst du in der Regel nur eine symbolische Gebühr von 1 Euro. Die Autovermietung spart sich die Logistikkosten, und du bekommst eine günstige Fahrgelegenheit. Die Versicherung ist bei allen seriösen Anbietern inklusive.
Movacar: Der Marktführer für Überführungsfahrten
Movacar ist die größte Plattform für Überführungsfahrten in Europa. Gegründet wurde das Unternehmen von zwei ehemaligen Enterprise-Managern mit zusammen über 30 Jahren Erfahrung in der Mietwagenbranche. Mittlerweile sind über 200.000 Privatpersonen registriert.
Partner und Fahrzeuge
Movacar arbeitet mit 14 namhaften Partnern zusammen, darunter Europcar, Sixt, Avis, Buchbinder, ADAC Club Mobil und VW Rent-a-Car. Neben klassischen Mietwagen werden auch Camper-Überführungen für Roadsurfer, Indie Campers und CarlundCarla vermittelt. Das Angebot reicht vom Kleinwagen über SUVs bis hin zu Premium-Fahrzeugen wie BMW M-Modelle oder Porsche Cayenne.
Kosten und Buchung
Die Vermittlungsgebühr beträgt 1 Euro pro Fahrt. Die Mietwagenmiete selbst entfällt komplett. Die Buchung erfolgt über die Website oder die Movacar-App (iOS und Android). Du suchst nach Abholort, Zielort und Zeitraum und bekommst alle verfügbaren Fahrten angezeigt. Besonders praktisch: Mit dem Streckenalarm wirst du per E-Mail benachrichtigt, sobald deine Wunschroute verfügbar ist.
Bezahlt wird per Kreditkarte oder PayPal. Bei Camper-Überführungen fällt zusätzlich eine Reservierungsgebühr von 100 Euro an, die nach ordnungsgemäßer Rückgabe vollständig erstattet wird.
Tankregelung bei Movacar
Die Tankregelung variiert je nach Angebot. Movacar kennt vier Varianten:
- Voll/Voll mit Tankrerstattung: Du tankst bei Abgabe voll und reichst den Beleg ein. Movacar erstattet die Kosten für die Überführungsstrecke (Richtwert: 10 l/100 km bei PKW, 15 l/100 km bei Campern).
- Voll/Voll mit Tankrerstattung bis 50 Euro: Wie oben, aber die Erstattung ist auf 50 Euro gedeckelt.
- Kraftstoff inklusive: Der Tank ist voll, Nachtanken ist nicht nötig.
- Kraftstoff nicht inklusive: Die Spritkosten trägst du selbst.
Welche Tankregelung gilt, siehst du vor der Buchung im jeweiligen Angebot. Bei den meisten PKW-Fahrten werden die Tankkosten erstattet oder der Kraftstoff ist bereits inklusive.
Versicherung und Kaution
Jede Überführungsfahrt über Movacar beinhaltet eine Haftpflichtversicherung und einen Vollkaskoschutz mit Selbstbeteiligung. Die Höhe der Selbstbeteiligung hängt vom Fahrzeug und Anbieter ab und wird vor der Buchung angezeigt. Optional kannst du das Movacar Sorglos-Paket zubuchen. Es enthält eine Selbstbehaltsübernahme-Versicherung und eine Insassen-Unfallversicherung.
Die Kaution wird vom jeweiligen Autovermieter auf deiner Kreditkarte blockiert und nach der Rückgabe wieder freigegeben. Wer die Selbstbeteiligung zusätzlich extern absichern möchte, findet in unserem Vergleich von Mietwagen-Versicherungen günstige Optionen.
Freikilometer und Strecken
Alle Angebote beinhalten Freikilometer, die großzügig kalkuliert sind. Ein kleiner Umweg ist also durchaus möglich. Gegen Aufpreis lassen sich bei der Buchung zusätzliche Kilometer hinzubuchen. Movacar ist europaweit aktiv, mit Routen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Österreich, Italien und weiteren Ländern.

Ugoki (ehemals Flipcar): Der App-Spezialist
Flipcar wurde 2019 in Bremen gegründet und hat sich 2024 in Ugoki umbenannt. Das Konzept ist ähnlich wie bei Movacar: Überführungsfahrten für 1 Euro. Der wesentliche Unterschied liegt in der komplett App-basierten Abwicklung und einigen besonderen Features.
Partner und Fahrzeuge
Ugoki arbeitet unter anderem mit Europcar (inklusive Buchbinder), Avis und BMW Rent/MINI Rent zusammen. Neben regulären Mietwagen gibt es auch die Möglichkeit, Premium-Fahrzeuge zu fahren, allerdings erst nach einer Qualifizierung durch mehrere Fahrten mit Standardfahrzeugen.
Kosten und Buchung
Die Buchung läuft ausschließlich über die Ugoki-App (iOS und Android). Du registrierst dich, durchsuchst verfügbare Fahrten und buchst direkt in der App. Der Fahrpreis beträgt pauschal 1 Euro. Bezahlt wird per Kreditkarte, PayPal oder American Express.
Praktisch ist der Städtealarm: Du legst deine Lieblingsstädte als Favoriten fest und bekommst eine Push-Benachrichtigung, sobald passende Fahrten verfügbar sind. Die App enthält auch eine integrierte Navigation, die dich zum Zielort führt.
Tankregelung bei Ugoki
Ein großer Vorteil bei Ugoki: Die erste Tankfüllung ist immer inklusive. Du bekommst das Fahrzeug vollgetankt und musst es nicht vollgetankt zurückgeben. Bei langen Strecken, auf denen eine Tankfüllung nicht reicht, tankst du nur so viel nach, wie du für die restliche Strecke brauchst.
Versicherung und Kaution
Jede Fahrt beinhaltet einen Vollkaskoschutz mit Selbstbeteiligung. Die Höhe variiert je nach Fahrzeugklasse (häufig um die 850 Euro). Die Kaution wird auf deiner Kreditkarte oder EC-Karte reserviert und nach der Fahrt freigegeben.
Optional bietet Ugoki ein Schutzpaket an, das die Selbstbeteiligung im Schadensfall bis zu 2.500 Euro abdeckt. Die erweiterte Variante (Schutzpaket Plus) ermöglicht zusätzlich eine kostenlose Stornierung bis eine Stunde vor Fahrtantritt.
GPS-Tracking und Go Coins
Eine Besonderheit bei Ugoki: Während der gesamten Fahrt wird dein Fahrverhalten per GPS überwacht. Die App bewertet Fahrstil, Route und Fahrzeit. Für gute Bewertungen erhältst du sogenannte Go Coins, mit denen du später Premium-Fahrzeuge buchen kannst. Das ist nicht jedermanns Sache, belohnt aber vorausschauende Fahrer.
Wichtig: Umwege und Zwischenstopps (außer Raststätten) sind bei Ugoki nicht erlaubt. Du musst die direkte Route zum Zielort nehmen.
Movacar vs. Ugoki: Der Vergleich
Beide Plattformen vermitteln Überführungsfahrten für 1 Euro, unterscheiden sich aber in einigen wichtigen Punkten:
| Movacar | Ugoki (Flipcar) | |
|---|---|---|
| Preis pro Fahrt | 1 Euro | 1 Euro |
| Buchung über | Website + App | Nur App |
| Partner | 14+ (Europcar, Sixt, Avis, Roadsurfer u.a.) | Europcar, Avis, BMW Rent |
| Tankkosten | Je nach Angebot (oft erstattet oder inklusive) | Erste Tankfüllung inklusive |
| Strecken | Europaweit | Nur Deutschland |
| Camper | Ja (Roadsurfer, Indie Campers u.a.) | Nein |
| GPS-Tracking | Nein | Ja (mit Fahrstilbewertung) |
| Umwege erlaubt | Kleiner Umweg möglich | Nein, nur direkte Route |
| Stornierung | Bis 48h vorher (teils kostenpflichtig) | Nur mit Schutzpaket Plus |
| Mindestalter | Je nach Anbieter | 21 Jahre (teils 25+) |
Kurzfazit: Movacar bietet die größere Auswahl an Partnern, Strecken und Fahrzeugtypen. Ugoki punktet mit der einfachen Tankregelung (immer inklusive) und dem Gamification-Ansatz über Go Coins. Wer flexibel sein will, meldet sich am besten bei beiden Plattformen an.
Tipps für deine erste Überführungsfahrt
Mit ein paar Vorbereitungen holst du das Beste aus deiner Überführungsfahrt heraus:
- Schnell sein lohnt sich: Beliebte Strecken sind oft innerhalb von Minuten ausgebucht. Aktiviere den Streckenalarm bei Movacar oder den Städtealarm bei Ugoki, um keine Angebote zu verpassen.
- Zeitfenster realistisch einschätzen: Manche Angebote haben enge Zeitvorgaben. Plane genügend Puffer für Staus, Baustellen und die Fahrzeugübernahme ein.
- Fahrzeug gründlich dokumentieren: Fotografiere den Zustand des Fahrzeugs bei Übernahme und Rückgabe. Das schützt dich vor ungerechtfertigten Schadensforderungen.
- Kreditkarte bereithalten: Für die Kaution ist fast immer eine Kreditkarte erforderlich. Bei hochwertigen Fahrzeugen können auch zwei Kreditkarten verlangt werden.
- Tankregelung vorab prüfen: Lies vor der Buchung genau, welche Tankregelung gilt. Das vermeidet Überraschungen bei der Abgabe.
- Selbstbeteiligung absichern: Die Vollkaskoversicherung deckt Schäden nur bis zur Selbstbeteiligung ab. Mit dem Sorglos-Paket (Movacar), dem Schutzpaket (Ugoki) oder einer externen Mietwagen-Versicherung bist du auf der sicheren Seite.
- Fahrzeug kann abweichen: Das angezeigte Auto ist oft nur ein Beispiel. Gerade bei beliebten Strecken kommt es vor, dass kurzfristig ein anderes Fahrzeug bereitgestellt wird. Darauf hat man leider keinen Einfluss.
Weitere Wege, beim Mietwagen zu sparen, findest du in unserem Ratgeber Mietwagen günstig mieten.

Was ist mit Starcar und freiFahrt passiert?
Dieser Artikel empfahl ursprünglich zwei Anbieter, die heute nicht mehr existieren:
Starcar war eine bekannte deutsche Autovermietung mit rund 100 Standorten, die auf einer eigenen Seite kostenlose Überführungsfahrten anbot. Im Oktober 2025 stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg. Da kein Investor gefunden wurde, wurde der Geschäftsbetrieb zum 31. Dezember 2025 vollständig eingestellt. Sixt hat sich im März 2026 die Markenrechte an Starcar gesichert, allerdings ohne Personal, Fahrzeuge oder Standorte zu übernehmen.
freiFahrt (freifahrt.de) war ein Vermittler, der Überführungsfahrten verschiedener Autovermieter (hauptsächlich Hertz) an Privatpersonen weitergab. Die erste Tankfüllung war dort inklusive. Der Service wurde bereits um 2019/2020 eingestellt. Die Website ist nicht mehr erreichbar.
Mit Movacar und Ugoki gibt es heute zwei aktive Alternativen, die deutlich mehr Strecken, mehr Partner und eine professionellere Abwicklung bieten als die früheren Anbieter.
Häufige Fragen zu Überführungsfahrten
Nicht ganz. Bei Movacar und Ugoki zahlst du eine symbolische Vermittlungsgebühr von 1 Euro. Die Mietwagenmiete selbst entfällt komplett. Je nach Angebot können Tankkosten anfallen, bei vielen Fahrten ist der Kraftstoff aber erstattet oder inklusive.
In den meisten Fällen ja. Die Kaution wird auf deiner Kreditkarte blockiert. Bei Ugoki ist alternativ auch eine EC-Karte möglich. Die Vermittlungsgebühr von 1 Euro kannst du bei Movacar per Kreditkarte oder PayPal zahlen, bei Ugoki zusätzlich per American Express.
Bei Movacar wird das Fahrzeugmodell in der Regel vor der Buchung angezeigt. Allerdings kann es vorkommen, dass kurzfristig ein anderes Fahrzeug bereitgestellt wird. Bei Ugoki siehst du ein Beispielfahrzeug, das tatsächliche Auto kann abweichen.
Alle Fahrten beinhalten eine Vollkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung. Im Schadensfall zahlst du maximal die vereinbarte Selbstbeteiligung. Mit dem Sorglos-Paket (Movacar) oder Schutzpaket (Ugoki) kannst du auch diesen Betrag absichern. Bei einem Unfall solltest du die Polizei und den Autovermieter kontaktieren.
Das hängt vom Anbieter ab. Bei Movacar sind die Freikilometer großzügig bemessen, sodass ein kleiner Umweg möglich ist. Zusätzliche Kilometer lassen sich gegen Aufpreis hinzubuchen. Bei Ugoki ist ausschließlich die direkte Route erlaubt. Umwege können zu Mehrkosten führen.
Bei Ugoki liegt das Mindestalter bei 21 Jahren, für manche Fahrten bei 25 Jahren. Bei Movacar richtet sich das Mindestalter nach dem jeweiligen Autovermieter. In beiden Fällen musst du deinen Führerschein seit mindestens 12 Monaten besitzen.
