Mietwagen-Versicherung: Der komplette Guide – was du wirklich brauchst

von Martin
Mietvertrag und Autoschlüssel auf Holztisch – Ratgeber zur Mietwagen-Versicherung

Der Versicherungs-Dschungel beim Mietwagen ist für viele Mieter eine echte Blackbox. Am Schalter prasseln Abkürzungen wie CDW, TP, PAI und SLI auf dich ein, und der Mitarbeiter erklärt mit Nachdruck, warum du unbedingt die Premium-Protection für 25 Euro pro Tag zusätzlich buchen solltest. Tatsächlich brauchst du das in den meisten Fällen nicht. Dieser Guide erklärt dir, welche Versicherungen beim Mietwagen wirklich wichtig sind, was sie kosten und wie du den gleichen Schutz deutlich günstiger bekommst.

Überblick: Welche Versicherungen gibt es beim Mietwagen?

Mietwagen-Versicherungen lassen sich in vier Grundtypen einteilen. Welche im Grundpreis enthalten sind und welche du zubuchst, variiert je nach Anbieter und Buchungsweg erheblich.

VersicherungstypEnglische AbkürzungWas ist abgedeckt?Im Grundpreis?
HaftpflichtversicherungTP / LISSchäden an Dritten, Personen und SachenJa (gesetzlich Pflicht)
VollkaskoversicherungCDW / LDWSchäden am Mietfahrzeug (mit Selbstbehalt)Je nach Anbieter
DiebstahlschutzTPDiebstahl des FahrzeugsOft, mit Selbstbehalt
UnfallversicherungPAIPersonenschäden der InsassenNein

Die Haftpflichtversicherung ist in Deutschland und der EU gesetzlich vorgeschrieben und immer im Mietpreis enthalten. Sie deckt Schäden ab, die du anderen Personen oder fremden Sachen zufügst. Die Vollkaskoversicherung (CDW) schützt das Mietfahrzeug selbst, enthält aber in aller Regel eine Selbstbeteiligung. Ob sie automatisch im Grundpreis steckt oder separat hinzugebucht werden muss, hängt vom Anbieter ab: Bei Sixt ist sie nicht automatisch enthalten, bei vielen Buchungsportalen wie AutoEurope oder check24 dagegen oft schon.

Vollkasko vs. Teilkasko: Was ist der Unterschied beim Mietwagen?

Die Begriffe aus der privaten Kfz-Versicherung lassen sich auf Mietwagen nicht eins zu eins übertragen. Bei Mietwagen gilt grundsätzlich folgendes:

  • Vollkasko (CDW/LDW): Deckt selbstverschuldete Schäden am Mietfahrzeug ab, in der Regel mit einer Selbstbeteiligung. Das ist die wichtigste Versicherung beim Mietwagen und sollte in keiner Buchung fehlen.
  • Teilkasko: Im Mietwagen-Kontext wird dieser Begriff selten verwendet. Gemeint ist meistens der Diebstahlschutz (TP), der Vandalismus und Fahrzeugdiebstahl abdeckt, ebenfalls mit Selbstbehalt.
Mietvertrag und Autoschlüssel werden am Mietwagen-Schalter übergeben
Am Mietwagen-Schalter werden die Versicherungsoptionen oft im Schnelldurchlauf erklärt.

Der entscheidende Punkt: Eine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung gibt es beim Mietwagen nur, wenn du entweder die teure Upgrade-Option beim Vermieter buchst oder eine externe Selbstbehalt-Versicherung abschließt. Ohne jede Vollkasko haftest du im Schadensfall mit dem gesamten Fahrzeugwert, bei einem Mittelklassewagen schnell 25.000 bis 40.000 Euro.

Was die Vollkasko beim Mietwagen typischerweise NICHT abdeckt

Hier liegt die größte Wissenslücke bei den meisten Mietern: Die Standard-Vollkaskoversicherung beim Mietwagen hat deutlich mehr Ausschlüsse als die private Kfz-Vollkasko. Folgende Schadensarten sind bei fast allen Anbietern nicht im Standard-CDW enthalten:

SchadensartIm Standard-CDW versichert?Tipp
Kratzer und Dellen (Außen)Ja, mit SelbstbehaltExterne SB-Versicherung abschließen
Glasschäden (Windschutzscheibe)Meistens nichtGlasversicherung zubuchbar
ReifenschädenMeistens nichtReifenversicherung prüfen
UnterbodenschädenNeinUnbefestigte Straßen meiden
DachschädenNeinDurchfahrtshöhen beachten
InnenraumschädenNeinSorgfalt im Innenraum
SchlüsselverlustNeinSchlüssel nie aus der Hand geben
FalschbetankungNein (BGH IV ZR 322/02)Kraftstoffart immer prüfen
Fahren unter AlkoholNein0,0 Promille hinter dem Steuer
Nicht genehmigtes AuslandNeinAuslandsfahrt immer anmelden

Glas- und Reifenschäden sind in der Praxis häufiger als viele denken. Ein Steinschlag auf der Autobahn, ein übersehener Bordstein beim Einparken: Das passiert schnell. Für diese Schadensarten bieten die meisten großen Vermieter separate Zusatzpakete an, die aber oft erheblich extra kosten.

Selbstbehalt beim Mietwagen: Was bedeutet das konkret?

Der Selbstbehalt (auch: Selbstbeteiligung oder Franchise) ist der Betrag, den du im Schadensfall aus eigener Tasche zahlst, selbst wenn du eine Vollkaskoversicherung hast. Erst ab diesem Betrag springt die Versicherung ein. Je größer und teurer das Fahrzeug, desto höher der Selbstbehalt.

Wichtig: Der Selbstbehalt wird nicht nur bei selbstverschuldeten Unfällen fällig, sondern bei allen Schäden am Fahrzeug, auch wenn du vom anderen Unfallbeteiligten in Anspruch nimmst. Du musst zunächst zahlen und später gegebenenfalls von der gegnerischen Versicherung die Rückerstattung einfordern.

Selbstbehalt-Höhen der großen Anbieter im Vergleich

AnbieterFahrzeugklasseSelbstbehalt CDW (Standard)Selbstbehalt ohne SB (Upgrade)
SixtKleinwagen bis Mittelklasse950 €0 € (ca. 18–25 €/Tag extra)
SixtAb Klasse FDMR (Kombi/SUV)1.050 €0 € (ca. 20–28 €/Tag extra)
SixtPremiumklassen (XDAR, S-Klasse)bis 2.600 €0 € (ca. 30–40 €/Tag extra)
EuropcarKleinwagen bis Kompaktca. 750–900 €0 € (je nach Schutzpaket)
EuropcarMittelklasse und größerca. 900–1.500 €0 € (je nach Schutzpaket)
HertzStandard bis Full Sizeca. 800–1.200 €0 € (SuperCover-Paket)
AvisKompakt bis Mittelklasseca. 750–1.100 €0 € (Top Cover-Paket)

Diese Beträge sind Richtwerte; der genaue Selbstbehalt steht immer im Mietvertrag und kann sich je nach Buchungszeitraum, Region und Fahrzeug leicht unterscheiden. Eines ist klar: Ein Schaden ohne Absicherung kann schnell einen vierstelligen Betrag bedeuten.

Die günstige Alternative: Externe Selbstbehalt-Versicherung

Wer den Selbstbehalt auf null reduzieren möchte, muss nicht die teure Versicherung direkt beim Vermieter buchen. Externe Anbieter bieten identischen Schutz für einen Bruchteil des Preises. Das Prinzip: Du behältst die Standard-Vollkasko des Vermieters (mit Selbstbehalt), schließt zusätzlich eine externe Police ab und bekommst im Schadensfall den ausgelegten Selbstbehalt vollständig erstattet.

Zu den empfehlenswertesten Optionen gehört die HanseMerkur Mietwagen-Schutz. Sie kostet ca. 7,90 Euro pro Tag und versichert den Selbstbehalt bis 2.500 Euro, ohne eigene Selbstbeteiligung auf der Police. Auch Motorräder und Fahrzeuge ohne Fahrzeugwert-Limit sind abgedeckt. Wer häufiger mietet, kann mit einer Jahrespolice von Anbietern wie CarAssure oder Mietfahrzeugversicherung.com langfristig sparen: Ab etwa zehn Miettagen pro Jahr rechnet sich die Jahresoption gegenüber Tagespolicen.

Einen ausführlichen Vergleich aller verfügbaren Anbieter findest du in unserem Artikel Mietwagen-Versicherungen ohne Selbstbehalt im Vergleich.

Kreditkarten-Versicherungen: Wann reichen sie wirklich aus?

Viele Mieter glauben, ihre Premium-Kreditkarte biete ausreichend Versicherungsschutz. Das stimmt in manchen Fällen, aber mit wichtigen Einschränkungen, die im Kleingedruckten vergraben sind.

Welche Karten bieten Mietwagen-CDW-Schutz?

Nur bestimmte Premium-Kreditkarten beinhalten einen echten CDW-Schutz für Mietfahrzeuge. Standard-Kreditkarten (Visa Classic, Mastercard Standard) bieten in der Regel keinen Mietwagen-Versicherungsschutz. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Karten mit integriertem CDW-Schutz im Überblick:

KreditkarteJahresgebührCDW-DeckungEigene SBMax. MietdauerEinschränkung
American Express Platinum720 €bis 75.000 €200 €120 TageUmfassendster Schutz; auch Geschäftsreisen
Miles & More Gold (Lufthansa)ab 138 €bis 75.000 €200 €30 TageZahlung mit der Karte Pflicht
Barclays Platinum Double99 €bis 75.000 €230 €30 TageIn DE nur mit Hotelübernachtung
Eurowings Premium (Barclays)0 € (1. Jahr), dann 99 €bis 75.000 €230 €30 TageIn DE nur mit Übernachtung; im Ausland ohne
Santander BestCard Premium99 €bis 50.000 €0 €30 TageKeine Haftpflicht; kein Luxussegment
Amex Business Gold175 €bis 75.000 €200 €120 TageNur Unfall/Diebstahl; für Geschäftsreisende
Hanseatic Bank GoldCard0 €variabelvariabelvariabelNur im Ausland; nicht in Deutschland

Die häufigsten Fallstricke bei Kreditkarten-Versicherungen

  • Zahlung mit der Karte Pflicht: Die gesamte Mietrechnung muss mit der versichernden Karte bezahlt werden. Buchst du über ein Portal und zahlst dort mit einer anderen Karte, greift der Schutz nicht.
  • Maximale Mietdauer: Die meisten Kreditkarten-Versicherungen gelten nur bis zu 30 oder 31 Tage. Längere Mieten sind nicht abgedeckt.
  • Nur Privatreisen: Dienstliche oder gewerbliche Anmietungen sind bei vielen Kreditkarten ausgeschlossen.
  • Fahrzeugwert-Limit: Viele Karten versichern nur Fahrzeuge bis ca. 60.000 bis 80.000 Euro Fahrzeugwert. Teure Premiummodelle (Mercedes S-Klasse, BMW 7er) fallen häufig heraus.
  • Nur CDW, kein TP: Kreditkarten decken in der Regel nur Unfallschäden (CDW) ab, nicht aber Fahrzeugdiebstahl (TP). Den Diebstahlschutz musst du separat klären.
  • Ausgeschlossene Fahrzeugkategorien: Vans, Kleintransporter, Fahrzeuge mit mehr als 7 Sitzen und Wohnmobile sind regelmäßig ausgeschlossen.
  • Karteninhaber als einziger Fahrer: Einige Kreditkarten decken nur den Karteninhaber selbst ab, nicht weitere eingetragene Fahrer.
Visa und Mastercard Kreditkarten auf einem Mietvertrag mit Autoschlüssel
Nicht jede Kreditkarte bietet automatisch CDW-Schutz für Mietfahrzeuge.

Praxis-Tipp: Lies die Versicherungsbedingungen deiner Kreditkarte vor der Anmietung sorgfältig durch und prüfe insbesondere die Punkte Fahrzeugwert, Mietdauer und Zahlungspflicht. Im Zweifel ist eine externe Selbstbehalt-Versicherung die sicherere und oft auch günstigere Alternative.

Zusatzversicherungen: Glas, Reifen, Unterboden und Dach

Da die Standard-Vollkasko Glas-, Reifen- und Unterbodenschäden ausschließt, bieten viele Vermieter entsprechende Zusatzpakete an. Diese lohnen sich allerdings nur in bestimmten Situationen.

Glasversicherung

Sinnvoll vor allem auf Autobahnstrecken mit viel Schwerverkehr oder auf unbefestigten Straßen. Einen Steinschlag in der Windschutzscheibe gibt es schnell, und der kostet je nach Fahrzeug 200 bis 1.200 Euro. Allerdings hat die Rechtsprechung hier eine wichtige Nuance: Mehrere deutsche Amtsgerichte (u.a. AG Aschaffenburg, AG Wolfratshausen, AG München) haben entschieden, dass Steinschläge als unabwendbare Ereignisse gelten, für die der Mieter grundsätzlich nicht haften muss. Es lohnt sich daher, eine Steinschlag-Forderung des Vermieters nicht einfach hinzunehmen, sondern rechtlich prüfen zu lassen.

Reifenversicherung

Reifenschäden sind häufiger als viele denken. Wer auf Urlaubsstraßen mit schlechtem Straßenbelag unterwegs ist, etwa auf Korsika, in Kroatien oder auf Sizilien, sollte diesen Zusatz ernsthaft prüfen. In Deutschland auf normalen Straßen ist der Nutzen begrenzt.

Unterboden- und Dachschutz

Diese beiden Zusätze sind sehr spezifisch. Der Unterbodenschutz ist relevant für Geländefahrten oder Straßen mit tiefen Schlaglöchern. Den Dachschutz brauchst du nur, wenn du bei niedrigen Durchfahrten riskierst, das Dach zu beschädigen. Für Stadtfahrten und Autobahnstrecken in Mitteleuropa sind beide entbehrlich.

Haftpflichtversicherung beim Mietwagen: Was ist abgedeckt?

Jeder Mietwagen ist gesetzlich haftpflichtversichert. Die Mindestdeckungssummen in Deutschland betragen seit 2017:

  • Personenschäden: 7,5 Millionen Euro
  • Sachschäden: 1,22 Millionen Euro
  • Vermögensschäden: 50.000 Euro

In der Praxis bieten die großen Vermieter deutlich höhere Deckungssummen. Bei Sixt sind zum Beispiel 100 Millionen Euro Deckung für Personenschäden und 10 Millionen Euro für Sachschäden keine Seltenheit. Prüfe die genaue Deckungssumme im Mietvertrag, besonders wenn du im Ausland unterwegs bist, denn die Mindestdeckungen variieren je nach Land erheblich.

Wichtig für Auslandsfahrten: Einige Vermieter schließen bestimmte Länder aus oder verlangen eine separate Zubuchung für die Haftpflicht im Ausland. Melde Auslandsfahrten daher immer bei der Buchung an, sonst riskierst du im schlimmsten Fall den kompletten Versicherungsschutz.

Diebstahlschutz (TP): Was tun, wenn der Mietwagen gestohlen wird?

Der Theft Protection (TP) oder Super Theft Protection schützt dich, wenn das Mietfahrzeug gestohlen oder durch Vandalismus beschädigt wird. Auch hier gilt in der Regel ein Selbstbehalt, der genauso hoch oder sogar höher als beim CDW sein kann.

Was viele nicht wissen: Der Verlust des Fahrzeugschlüssels ist bei vielen Anbietern im TP-Schutz nicht enthalten. Ein verlorener Schlüssel kann 200 bis 500 Euro kosten. Und wenn der Schlüssel nicht nur verloren, sondern gestohlen wurde und danach das Fahrzeug entwendet wird, kann der Versicherungsschutz ebenfalls eingeschränkt sein, insbesondere wenn der Mieter grob fahrlässig gehandelt hat (Schlüssel offen liegen gelassen, nicht gesichert).

Kaution und Kautionsblockierung: Was du wissen musst

Kaution und Selbstbehalt werden oft verwechselt, sind aber grundverschiedene Dinge. Die Kaution ist eine Sicherheitsleistung, die der Vermieter bei der Fahrzeugübernahme auf deiner Kreditkarte blockiert. Sie wird nach schadensfreier Rückgabe vollständig freigegeben, kann aber zwei bis vier Wochen blockiert bleiben.

Der Selbstbehalt dagegen ist der Betrag, den du im tatsächlichen Schadensfall zahlst. Die Kaution dient nur als Sicherheit, damit der Vermieter weiß, dass du im Schadensfall auch zahlen kannst.

Wichtige Praxis-Hinweise zur Kaution:

  • Die Kaution wird ausnahmslos auf Kreditkarten akzeptiert, nicht auf Debitkarten (Girokonto-Karten). Einige Anbieter akzeptieren inzwischen Debitkarten mit Einschränkungen, dies sollte aber vorab geprüft werden.
  • Die Kautionshöhe orientiert sich am Selbstbehalt des gebuchten Tarifs, kann aber auch darüber liegen. Bei Sixt wird typischerweise der komplette Selbstbehalt als Kaution blockiert.
  • Bei Europcar beträgt die Kaution pauschal 300 Euro, unabhängig von Fahrzeugklasse und Selbstbehalt.
  • Wer mit einer Kreditkarte reist, die eine integrierte CDW-Versicherung bietet, sollte prüfen, ob die Kaution trotzdem fällig wird. In der Regel ja, weil der Vermieter die Kreditkarten-Versicherung nicht anerkennt.

Im Schadensfall: So gehst du richtig vor

Wenn es zu einem Schaden kommt, entscheiden die ersten Minuten darüber, ob du gut oder schlecht dasteht. Ausführliche Informationen dazu findest du in unserem Ratgeber Schaden am Mietwagen: Was tun?. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:

  1. Alles fotografieren und per Video dokumentieren, Unfallort, alle Schäden, Nummernschilder, Zeugen
  2. Bei Unfällen mit anderen Fahrzeugen immer den Europäischen Unfallbericht ausfüllen (liegt im Handschuhfach)
  3. Die Polizei hinzuziehen, auch bei Bagatellschäden; viele Vermieter verlangen dies ausdrücklich
  4. Den Vermieter sofort über die Notfallnummer informieren
  5. Keine Schuldanerkennung unterschreiben
  6. Bei externer SB-Versicherung: den Versicherungsfall sofort melden und den Zahlungsbeleg des Selbstbehalts aufheben
Person dokumentiert einen Kratzer am Mietwagen mit dem Smartphone auf einem Parkplatz
Jeden Schaden sofort mit dem Smartphone dokumentieren, bevor das Fahrzeug bewegt wird.

Wenn eine Schadensforderung des Vermieters nach der Rückgabe eintrifft: Nicht vorschnell zahlen. Prüfe zuerst, ob der Schaden auf deinen Übernahmefotos bereits sichtbar war. Laut §548 BGB verjähren Schadensersatzansprüche des Vermieters sechs Monate nach Rückgabe, einfache Mahnungen hemmen diese Frist nicht.

Externe Versicherungsanbieter: Die wichtigsten im Vergleich

Wenn du eine externe Selbstbehalt-Versicherung abschließen möchtest, hast du aktuell mehrere seriöse Optionen. Einen ausführlichen Vergleich findest du hier: Mietwagen-Versicherungen ohne Selbstbehalt im Vergleich. Die wichtigsten Anbieter auf einen Blick:

AnbieterPreis pro TagJahresschutzMax. ErstattungBesonderheit
HanseMerkurca. 7,90 €Nein (nur Einzelreise)2.500 €Kein Fahrzeugwert-Limit; auch Motorräder; keine eigene SB
ERGO Reiseversicherungab 7,90 €Nein (nur Einzelreise)4.000–8.000 €PLUS-Variante deckt auch Glas, Reifen, Unterboden, Dach
CarAssurek.A.ab ca. 95 €/Jahr1.500 €Deutsches Unternehmen; deckt auch Carsharing ab
Mietfahrzeugversicherung.comab 4,99 €ab 189,99 €/JahrvariabelDeckt auch Carsharing (Sixt Share, Flinkster etc.); inkl. Schlüsselverlust
Verias24ab 5,40 €ab 99,41 €/Jahr1.000–5.000 €Günstiger Tagestarif; Jahrespolice verfügbar
Allianz Travel (ELVIA)variabelNein3.000 €Achtung: 300 € eigene SB auf der Police; eingeschränkt verfügbar

Alle externen Versicherungen funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Du musst beim Vermieter eine CDW mit Selbstbehalt abgeschlossen haben. Im Schadensfall zahlst du zunächst den Selbstbehalt an den Vermieter und reichst danach deinen Zahlungsbeleg bei der externen Versicherung ein. Diese erstattet den Betrag dann zurück. Das klingt nach Aufwand, spart aber in der Summe oft mehrere Hundert Euro pro Jahr.

Unfallversicherung (PAI): Brauche ich das?

Die Personal Accident Insurance (PAI) ist eine Unfallversicherung für die Insassen des Mietwagens. Sie deckt Personenschäden ab, die bei einem Unfall entstehen, egal ob du selbst oder andere Insassen betroffen sind. In Deutschland ist das für die meisten Mieter überflüssig, denn:

  • Die gesetzliche Haftpflichtversicherung des Mietwagens deckt Personenschäden von Dritten ab.
  • Wer selbst verletzt wird, ist in Deutschland über die gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung abgesichert.
  • Private Unfallversicherungen und viele Reiserücktrittsversicherungen decken Personenschäden im Ausland ab.

PAI ist ein typisches Upsell-Produkt am Schalter mit geringem Mehrwert für Mieter, die ohnehin gut versichert sind. Wer hingegen ohne private Unfallversicherung und im außereuropäischen Ausland unterwegs ist, sollte es prüfen.

7 Tipps: So sparst du bei der Mietwagen-Versicherung

  1. Externe Selbstbehalt-Versicherung statt Vermieter-Upgrade: HanseMerkur, ERGO oder CarAssure kosten ab ca. 5 bis 8 Euro pro Tag; beim Vermieter zahlst du für dasselbe 15 bis 30 Euro. Bei zehn Miettagen pro Jahr sparst du locker 100 bis 200 Euro.
  2. Jahresschutz für Vielmieter: Anbieter wie CarAssure (ab ca. 95 Euro/Jahr) oder Mietfahrzeugversicherung.com (ab 189,99 Euro/Jahr) bieten Jahrespolicen, die sich bei regelmäßigen Anmietungen schnell rechnen.
  3. Vollkasko nie weglassen: Auch wenn du eine gute externe Versicherung hast, brauchst du immer die CDW des Vermieters als Basis. Ohne CDW funktioniert die externe Versicherung nicht.
  4. Kreditkarten-Konditionen kennen: Prüfe vor jeder Miete, ob deine Kreditkarte CDW-Schutz bietet und unter welchen Bedingungen. Das kann die externe Versicherung manchmal ersetzen.
  5. Am Schalter nein sagen: Die Mitarbeiter sind trainiert, Zusatzpakete zu verkaufen. Ein freundliches aber bestimmtes „Nein danke“ zur Zusatzversicherung spart im Durchschnitt 15 bis 25 Euro pro Tag.
  6. Vergleichsportale nutzen: Portale wie check24 oder AutoEurope inkludieren oft bereits eine günstigere Vollkasko im angezeigten Preis, was die Direktbuchung beim Vermieter teurer macht.
  7. Glas und Reifen separat abwägen: Buchst du einen Urlaub auf Schotterpisten oder Urlaubsinseln mit schlechten Straßen? Dann kann eine Glasversicherung sinnvoll sein. Für Stadtfahrten in Deutschland ist sie oft überflüssig.

Häufige Fragen zur Mietwagen-Versicherung

Muss ich die Vollkasko beim Mietwagen buchen?

Die Vollkaskoversicherung (CDW) ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber dringend empfehlenswert. Ohne CDW haftest du im Schadensfall mit dem gesamten Zeitwert des Fahrzeugs – das können schnell 20.000 bis 50.000 Euro sein. Bei manchen Anbietern ist die CDW im Grundpreis enthalten, bei anderen wie Sixt muss sie separat hinzugebucht werden. Prüfe das immer im Buchungsablauf.

Was ist eine externe Mietwagen-Versicherung und wie funktioniert sie?

Eine externe Mietwagen-Versicherung (auch Selbstbehalt-Versicherung genannt) ergänzt die Standard-Vollkasko des Vermieters. Du behältst die CDW mit Selbstbehalt, schließt aber zusätzlich eine günstigere externe Police (z.B. HanseMerkur für ca. 7,90 Euro/Tag) ab. Entsteht ein Schaden, zahlst du zunächst den Selbstbehalt an den Vermieter und reichst den Zahlungsbeleg dann bei der externen Versicherung ein. Diese erstattet den Betrag zurück.

Reicht meine Kreditkarte als Mietwagen-Versicherung aus?

Das hängt von der Kreditkarte ab. Standard-Kreditkarten (Visa Classic, Mastercard Standard) bieten in der Regel keinen Mietwagen-CDW-Schutz. Premium-Karten wie die American Express Platinum oder bestimmte Miles-&-More-Kreditkarten können eine CDW-Abdeckung einschließen, oft mit Bedingungen: Zahlung der Mietrechnung mit der Karte, maximale Mietdauer (meist 30 Tage), kein gewerblicher Einsatz. Prüfe die Bedingungen sorgfältig, bevor du dich darauf verlässt.

Wie hoch ist der Selbstbehalt beim Mietwagen?

Der Selbstbehalt variiert je nach Anbieter und Fahrzeugklasse erheblich. Bei Sixt liegt er für kleinere Fahrzeugklassen bei 950 Euro, ab der Klasse FDMR (kompakte Kombis und SUVs) bei 1.050 Euro. Bei Premiumfahrzeugen kann er bis zu 2.600 Euro betragen. Europcar, Hertz und Avis bewegen sich in ähnlichen Größenordnungen zwischen 750 und 1.500 Euro für Standardfahrzeuge. Der exakte Selbstbehalt steht immer im Mietvertrag.

Muss ich für einen Steinschlag am Mietwagen zahlen?

In vielen Fällen nicht. Mehrere deutsche Amtsgerichte (u.a. AG Aschaffenburg, AG Wolfratshausen, AG München, AG Coburg) haben Steinschläge als unabwendbare Ereignisse eingestuft, für die der Mieter nicht haftet. Wenn der Vermieter einen Steinschlag in Rechnung stellt, lohnt sich ein Widerspruch mit Verweis auf diese Rechtsprechung. Kommt allerdings ein Steinschlag durch grobe Fahrlässigkeit zustande (z.B. Fahrt über Schotterpiste trotz Verbot), kann die Rechtslage anders aussehen.

Gilt die Mietwagen-Versicherung auch im Ausland?

Die im Mietvertrag enthaltene Haftpflichtversicherung gilt in der Regel in allen EU-Ländern sowie in den Schengen-Staaten. Für Nicht-EU-Länder (z.B. Türkei, Ukraine, Marokko) können besondere Bedingungen gelten. Für CDW und Diebstahlschutz gelten ähnliche Regeln, allerdings schließen manche Vermieter bestimmte Länder explizit aus. Auslandsfahrten immer bei der Buchung anmelden – wer ohne Genehmigung die Grenze überquert, riskiert den kompletten Versicherungsschutz.

Wie lange hat der Vermieter Zeit, einen Schaden geltend zu machen?

Laut §548 BGB verjähren Schadensersatzansprüche des Vermieters sechs Monate nach Rückgabe des Fahrzeugs. Wichtig: Einfache Mahnbriefe oder Rechnungen unterbrechen diese Frist nicht. Nur ein gerichtlicher Mahnbescheid oder eine Klage können die Verjährung hemmen. Kommt eine Schadensforderung mehr als sechs Monate nach der Rückgabe, ist sie in der Regel verjährt.

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