Ein Mietwagen für 29 Euro am Tag klingt verlockend. Doch wer schon einmal die Endabrechnung einer Autovermietung studiert hat, weiß: Der beworbene Tagespreis ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Zusatzkosten für Versicherungen, Tankregelungen, Zusatzfahrer und diverse Gebühren können den ursprünglichen Mietpreis leicht verdoppeln, manchmal sogar verdreifachen.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche versteckten Kosten bei Mietwagen in Deutschland wirklich anfallen, was die großen Anbieter wie Sixt, Europcar, Hertz und Avis jeweils berechnen und wie du die häufigsten Kostenfallen gezielt vermeidest.
1. Versicherungen und Selbstbeteiligung: der größte Kostenblock
Die Versicherung ist mit Abstand der teuerste Zusatzposten bei einer Mietwagenanmietung. Im Grundpreis ist zwar eine Vollkaskoversicherung (CDW) mit Haftpflicht enthalten, doch diese kommt mit einer Selbstbeteiligung von 750 bis 3.500 Euro, je nach Anbieter und Fahrzeugklasse.
Am Schalter wird dann massiv der Verkauf einer Zusatzversicherung betrieben, die diese Selbstbeteiligung auf null reduziert. Der Preis dafür: 10 bis 30 Euro pro Tag. Bei einer einwöchigen Miete kommen so schnell 70 bis 210 Euro zusammen, oft mehr als der eigentliche Mietpreis.
So vermeidest du diese Kostenfalle
Statt die teure Versicherung direkt beim Vermieter zu buchen, lohnt sich eine externe Selbstbeteiligungs-Versicherung. Anbieter wie HanseMerkur oder CarAssure bieten den gleichen Schutz ab 5 bis 7 Euro pro Tag.
Wichtig: Achte darauf, dass deine Versicherung auch Glas-, Reifen- und Unterbodenschäden abdeckt. Diese sind bei vielen günstigen Policen ausgeschlossen.

2. Tankregelung: die klassische Kostenfalle
Bei der Tankregelung gibt es drei gängige Modelle:
- Voll/Voll: Du übernimmst das Auto vollgetankt und gibst es vollgetankt zurück. Die fairste Variante.
- Voll/Leer: Du bezahlst eine volle Tankfüllung im Voraus und kannst das Auto leer zurückgeben. Klingt bequem, ist aber eine Kostenfalle. Der Literpreis liegt oft 50 bis 100 % über dem Tankstellenpreis.
- Viertel/Viertel: Das Fahrzeug wird mit etwa einem Viertel Tank übergeben und so zurückgegeben. Kommt z. B. bei Enterprise Stadtstationen vor.
Besonders bei der Voll/Leer-Regelung zahlst du drauf: Den Restkraftstoff im Tank bekommst du nicht erstattet. Wer den Tank nicht komplett leer fährt (und das schafft kaum jemand exakt), verschenkt bares Geld.
Aber auch bei Voll/Voll lauern Kosten: Wer das Auto nicht vollgetankt zurückgibt, dem berechnet der Vermieter den fehlenden Kraftstoff mit einem massiven Aufschlag. Ein Beispiel: Ein Avis-Kunde wurde mit 64,31 Euro für einen Betankungsservice belastet, obwohl er das Fahrzeug nur 7 km vor der Station vollgetankt hatte.
So vermeidest du diese Kostenfalle
- Buche immer die Voll/Voll-Regelung
- Tanke direkt vor der Rückgabe an einer Tankstelle nahe der Mietstation
- Bewahre die Tankquittung auf – sie ist dein Beweis bei Streitigkeiten

3. Zusatzfahrer: 8 bis 15 Euro pro Tag extra
Soll eine zweite Person das Auto fahren dürfen, wird das bei den meisten Vermietern extra berechnet. Die Kosten liegen typischerweise bei 8 bis 15 Euro pro Tag. Bei einer Wochenmiete also 56 bis 105 Euro zusätzlich.
Achtung: Wer ohne eingetragenen Zusatzfahrer fährt, riskiert den kompletten Versicherungsschutz. Im Schadensfall haftet der nicht eingetragene Fahrer persönlich, mit voller Summe.
So sparst du beim Zusatzfahrer
- Bei Europcar ist ab Privilege Level 3 ein kostenloser Zusatzfahrer inklusive
- Bei Hertz gibt es mit Gold-Status einen kostenlosen Zusatzfahrer
- Bei Sixt entfällt die Gebühr für Diamond-Mitglieder
- Buchungen über den ADAC oder bestimmte Firmenraten enthalten den Zusatzfahrer oft kostenlos
- Manche Anbieter wie Centauro bieten den ersten Zusatzfahrer generell inklusive
4. Jungfahrerzuschlag: seit 2026 bei Sixt bis 25 Jahre
Junge Fahrer zahlen bei fast allen Vermietern einen Aufschlag. Neu seit 2026: Sixt hat die Altersgrenze für den Jungfahrerzuschlag von 23 auf 25 Jahre angehoben. Der Zuschlag fällt jetzt in allen Fahrzeugklassen an.
Übersicht der Altersgrenzen:
| Anbieter | Jungfahrerzuschlag bis | Mindestalter (je nach Klasse) |
|---|---|---|
| Sixt | 25 Jahre (seit 2026) | 18 Jahre |
| Europcar | variabel | 21-25 Jahre |
| Hertz | variabel | 21 Jahre (Standard), 25-27 Jahre (Premium) |
| Avis | variabel | 21 Jahre |
Der Zuschlag beträgt typischerweise 12 bis 20 Euro pro Tag. Bei einer Wochenmiete summiert sich das auf 84 bis 140 Euro.
So vermeidest du den Jungfahrerzuschlag
- Eine ADAC-Mitgliedschaft kann den Zuschlag bei manchen Anbietern umgehen
- Firmenraten beinhalten oft keinen Jungfahrerzuschlag
- Vergleiche die Gesamtkosten bei verschiedenen Anbietern. Manchmal ist ein höherer Grundpreis ohne Zuschlag günstiger
5. Einwegmiete: bis zu 150 Euro und mehr
Wer das Auto an einer anderen Station zurückgibt als dort, wo er es abgeholt hat, zahlt eine Einweggebühr. Bei Sixt ist diese entfernungsabhängig gestaffelt:
- Innerhalb einer Stadt: ca. 10 Euro
- Kurze Strecke (z. B. Hannover-Hamburg): ca. 34 Euro
- Lange Strecke (z. B. München-Hamburg): ca. 45 Euro
- Plus eine Grundgebühr von 19,99 Euro
Die teure Falle: Wer das Fahrzeug ohne vorherige Anmeldung an einem anderen Ort zurückgibt, zahlt eine Rückführungsgebühr von 1,30 Euro pro Kilometer (netto), mindestens 150 Euro plus 19,99 Euro Flexilocation-Gebühr. Bei einer Strecke von 500 km wären das über 650 Euro.
So vermeidest du böse Überraschungen
- Einwegmiete immer bei der Buchung angeben – nachträglich wird es deutlich teurer
- Prüfe, ob der gewünschte Rückgabeort überhaupt verfügbar ist. Sports & Luxury Cars sind teilweise von Einwegmieten ausgeschlossen
6. Grenzüberschreitung: GPS-Tracking und nachträgliche Gebühren
Wer mit dem Mietwagen ins Ausland fährt, muss das vorher anmelden. Die Kosten dafür sind überschaubar. Bei Sixt zum Beispiel 4,99 Euro pro Tag oder 14,99 Euro pro Woche. Doch wer die Auslandsfahrt nicht anmeldet, riskiert empfindliche Strafen.
Besonders brisant: Europcar speichert GPS-Bewegungsdaten während der Miete und berechnet nachträglich eine Cross Border Fee von 30 Euro plus 30 Euro Bearbeitungsgebühr, wenn das Fahrzeug ohne Anmeldung im Ausland war. Bei Sixt droht eine Vertragsstrafe von 150 Euro.
Das gravierendste Risiko: Bei nicht angemeldeter Auslandsfahrt entfällt der Versicherungsschutz komplett. Im Schadensfall haftest du mit der vollen Summe.
So schützt du dich
- Auslandsfahrt immer bei der Buchung oder spätestens vor Fahrtantritt anmelden
- Die Kosten sind gering. Das Risiko einer nicht angemeldeten Fahrt steht in keinem Verhältnis
7. Kaution: Geld wird tagelang blockiert
Bei der Abholung des Mietwagens wird auf deiner Kreditkarte eine Kaution blockiert. Je nach Anbieter und Fahrzeugklasse kann diese mehrere hundert bis über tausend Euro betragen.
Das Problem: Die Kaution wird nach der Rückgabe nicht sofort freigegeben. Es kann zwei bis vier Wochen dauern, bis der Betrag wieder verfügbar ist. Wer mit einer Kreditkarte mit niedrigem Limit reist, kann dadurch in Schwierigkeiten geraten.
Tipps zur Kaution
- Nutze eine Kreditkarte mit ausreichend hohem Limit
- Informiere dich vorab über die Kautionshöhe beim jeweiligen Anbieter
- Die Kaution ist keine zusätzliche Gebühr. Sie wird nach der Miete zurückerstattet, sofern kein Schaden vorliegt
8. Kindersitze, Navi und Zubehör: kleine Posten, große Summe
Extras wie Kindersitze, Navigationsgeräte oder Dachboxen kosten typischerweise 5 bis 15 Euro pro Tag, und zwar ohne Deckelung. Bei einer zweiwöchigen Miete kann ein Kindersitz damit 70 bis 210 Euro kosten, mehr als ein neuer Sitz im Fachhandel.
So sparst du bei Extras
- Eigenen Kindersitz mitnehmen – das lohnt sich fast immer
- Smartphone als Navi nutzen statt das Navigationsgerät des Vermieters zu buchen (oft 10-15 Euro/Tag)
- Dachbox oder Fahrradträger von zu Hause mitbringen, wenn möglich
9. Kilometerbegrenzung und Zusatzkilometer
Viele Mietverträge enthalten eine Kilometerbegrenzung. Bei Sixt sind beispielsweise je nach gewähltem Paket 450, 750 oder 1.500 km pro Wochenende inklusive. Jeder zusätzliche Kilometer wird mit einem Aufschlag berechnet, typischerweise 0,20 bis 0,35 Euro pro km.
Wer eine längere Tour plant und das falsche Kilometerpaket wählt, zahlt am Ende deutlich mehr als nötig. Bei 300 Zusatzkilometern wären das 60 bis 105 Euro extra.
So vermeidest du Zusatzkosten
- Plane deine Route vorab und wähle ein passendes Kilometerpaket
- Im Zweifel das nächstgrößere Paket buchen, das ist meist günstiger als Zusatzkilometer
- Bei längeren Mieten (ab einer Woche) sind oft unbegrenzte Kilometer inklusive
10. Verspätete Rückgabe: Versicherungsschutz entfällt
Eine Stunde zu spät zurück? Das kann teuer werden. Bei verspäteter Rückgabe wird in der Regel ein zusätzlicher Miettag berechnet. Die meisten Vermieter gewähren eine Kulanzzeit von 29 bis 59 Minuten. Danach wird der volle Tagessatz fällig.
Das größte Risiko ist jedoch nicht der Preis: Bei Überschreitung der vereinbarten Mietzeit erlischt die Kaskoversicherung (CDW). Die Haftpflicht gilt zwar weiterhin, aber bei einem selbstverschuldeten Schaden am Mietwagen haftest du ohne jede Begrenzung der Selbstbeteiligung.
Was du bei Verzögerungen tun solltest
- Bei absehbarer Verspätung (Stau, Flugverspätung) sofort die Station anrufen und die Miete verlängern lassen
- Die Verlängerung per Telefon ist deutlich günstiger als eine unangekündigte verspätete Rückgabe
- Plane bei der Rückgabe immer einen Zeitpuffer von mindestens 30 Minuten ein

11. Nachträgliche Schadensforderungen
Eine besonders ärgerliche Kostenfalle: Du gibst das Auto zurück, alles scheint in Ordnung, und Wochen später flattert eine Schadensrechnung ins Haus. Besonders häufig passiert das bei:
- Rückgabe außerhalb der Öffnungszeiten (Schlüsselbox)
- Fahrzeugen, die nach der Rückgabe nicht sofort geprüft werden
- Kleinen Schäden wie Steinschlägen oder Kratzern, die erst bei genauer Inspektion auffallen
So schützt du dich vor unberechtigten Forderungen
- Vor der Anmietung: Fahrzeug gründlich prüfen und alle bestehenden Schäden im Übergabeprotokoll dokumentieren
- Alle Seiten des Fahrzeugs fotografieren, auch Dach, Felgen und Unterboden
- Bei der Rückgabe auf eine persönliche Abnahme bestehen, nie blind den Schlüssel in die Box werfen
- Bei Schadensforderungen nicht sofort zahlen, sondern Fotos, Gutachten und Nachweis der Verursachung verlangen
- Eine externe Selbstbeteiligungs-Versicherung schützt auch hier
12. Bußgeld-Bearbeitungsgebühren
Wer während der Mietzeit geblitzt wird oder einen Strafzettel bekommt, zahlt nicht nur das Bußgeld selbst. Die Autovermietung leitet die Anfrage der Behörde an dich weiter und berechnet dafür eine Bearbeitungsgebühr von 10 bis 50 Euro pro Vorgang. Bei mehreren Verstößen summiert sich das schnell.
13. WLTP-Zuschlag bei Sixt
Eine wenig bekannte Zusatzgebühr: Sixt erhebt einen CO₂-basierten WLTP-Zuschlag, der abhängig von der Fahrzeugklasse pro Tag berechnet wird. Je größer und leistungsstärker das Fahrzeug, desto höher der Zuschlag. Dieser Posten taucht oft erst in der detaillierten Buchungsbestätigung auf und wird leicht übersehen.
Kostenfallen-Übersicht: Was dich wirklich erwartet
Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Zusatzkosten auf einen Blick:
| Kostenfalle | Typische Kosten | Vermeidbar? |
|---|---|---|
| Versicherungs-Upgrade am Schalter | 10-30 €/Tag | Ja: externe Versicherung nutzen |
| Selbstbeteiligung im Schadensfall | 750-3.500 € | Ja: SB-Versicherung abschließen |
| Tankregelung Voll/Leer | 30-65 € Aufschlag | Ja: Voll/Voll wählen |
| Zusatzfahrer | 8-15 €/Tag | Teilweise: Statusprogramme nutzen |
| Jungfahrerzuschlag | 12-20 €/Tag | Teilweise: ADAC oder Firmenrate |
| Einweggebühr (unangemeldet) | 150 €+ | Ja: bei Buchung angeben |
| Grenzüberschreitung (unangemeldet) | 60-150 € + Versicherungsverlust | Ja: vorher anmelden |
| Verspätete Rückgabe | 1 extra Miettag + SB-Verlust | Ja: rechtzeitig verlängern |
| Kindersitz/Navi/Zubehör | 5-15 €/Tag pro Gegenstand | Ja: eigene Ausrüstung mitnehmen |
| Zusatzkilometer | 0,20-0,35 €/km | Ja: passendes Paket buchen |
| Bußgeld-Bearbeitung | 10-50 €/Vorgang | Ja: Verkehrsregeln einhalten |
Rechenbeispiel: Was eine Wochenmiete wirklich kosten kann

Folgendes Beispiel zeigt, wie sich Zusatzkosten summieren:
| Position | Kosten (7 Tage) |
|---|---|
| Grundpreis Kompaktklasse | 203 € |
| Versicherungs-Upgrade (Schalter) | 140 € |
| Zusatzfahrer | 84 € |
| Kindersitz | 70 € |
| Navi | 70 € |
| Gesamtkosten | 567 € |
Statt der beworbenen 203 Euro zahlt man in diesem Beispiel fast das Dreifache. Mit den richtigen Maßnahmen (externe Versicherung, eigener Kindersitz, Smartphone-Navi) lässt sich die gleiche Miete für rund 280 Euro realisieren.
Fazit: Informiert mieten, clever sparen
Die versteckten Kosten bei Mietwagen sind kein Zufall. Sie sind ein fester Bestandteil des Geschäftsmodells vieler Autovermietungen. Wer die typischen Kostenfallen kennt, kann sie gezielt umgehen und bei jeder Anmietung hunderte Euro sparen.
Die wichtigsten Tipps auf einen Blick:
- Schließe eine externe Selbstbeteiligungs-Versicherung ab, statt teurer Upgrades am Schalter
- Wähle immer die Voll/Voll-Tankregelung und tanke direkt vor der Rückgabe
- Bringe eigenes Zubehör mit (Kindersitz, Navi)
- Melde Zusatzfahrer und Auslandsfahrten bereits bei der Buchung an
- Dokumentiere den Fahrzeugzustand bei Übernahme und Rückgabe mit Fotos
- Nutze auslastungsabhängige Preise und günstige Wochenendtarife für den besten Grundpreis
Häufige Fragen zu versteckten Mietwagen-Kosten
In der Regel nicht. Die im Grundpreis enthaltene Vollkasko reicht zusammen mit einer externen Selbstbeteiligungs-Versicherung (ab 5 Euro/Tag oder 70 Euro/Jahr) völlig aus. Die Versicherung am Schalter ist mit 10 bis 30 Euro pro Tag deutlich teurer.
Wähle immer Voll/Voll. Du übernimmst das Auto vollgetankt und gibst es vollgetankt zurück. Bei der Voll/Leer-Regelung zahlst du einen deutlich höheren Literpreis und verschenkst den Restkraftstoff im Tank.
Bei einigen Anbietern ja. Europcar bietet ab Privilege Level 3 einen kostenlosen Zusatzfahrer, Hertz ab Gold-Status und Sixt für Diamond-Mitglieder. Auch Buchungen über den ADAC oder mit Firmenraten enthalten den Zusatzfahrer oft kostenlos.
Bei den meisten Vermietern gibt es eine Kulanzzeit von 29 bis 59 Minuten. Danach wird ein zusätzlicher Miettag berechnet. Besonders kritisch: Die Kaskoversicherung (CDW) erlischt bei Überschreitung der Mietzeit. Im Schadensfall haftest du dann ohne Begrenzung. Rufe bei Verzögerungen sofort die Station an und verlängere die Miete.
Die Kosten für eine angemeldete Auslandsfahrt sind überschaubar: Bei Sixt z. B. 4,99 Euro pro Tag oder 14,99 Euro pro Woche. Ohne Anmeldung drohen jedoch Strafen von 60 bis 150 Euro. Das größte Risiko: Bei nicht angemeldeter Auslandsfahrt entfällt der komplette Versicherungsschutz.
